Die GeoSammlung - bergbauliche Tradition als Ursprung
Durch den Jahrhunderte dauernden Bergbau hat die Beschäftigung
mit mineralogischen, geologischen und paläontologischen Fragestellungen
in Clausthal eine lange Tradition. Diese führte im Jahre 1775
zur Gründung einer montanistischen Lehrstätte, die sich 1810
zur Bergschule, 1864 zur Bergakademie und schließlich 1968
zur Technischen Universität entwickelte.
Die Gliederung der Geosammlung
Mineralogische Sammlungen
Foto © Dr. Alfred K. Schuster
Die Mineralogischen Sammlungen der TU Clausthal nehmen mit
einem Bestand von mehr als 120.000 Stücken in der Bundesrepublik
Deutschland eine Spitzenposition ein. Herausragend ist ihre
Bedeutung auf dem Gebiet der Erze und nichtmetallischen mineralischen
Rohstoffe. Sie bieten die Basis für zahlreiche vergleichende
wissenschaftliche Untersuchungen und stehen Wissenschaftlern
der ganzen Welt zur Benutzung zur Verfügung.
Der Grundstein der Sammlungen wurde 1811 gelegt, als eine
vom Bergamt Clausthal zusammengestellte Mineraliensammlung
der neu konstituierten Bergschule überlassen wurde. Den Ausbau
zu einer wissenschaftlichen Einrichtung verdanken wir Friedrich
Adolph Roemer (1809-1869), dem ersten Direktor dieser Hochschule.
1907 wurde die Sammlung umgestaltet und nach neuen didaktischen
Gesichtspunkten eingerichtet. Seither dienen die Sammlungen
vorrangig der studentischen Ausbildung, aber auch Zwecken
des weiterbildenden Studiums in verschiedenen Formen der Erwachsenenbildung.
Jährlich besuchen Teilnehmer zahlreicher Lehrexkursionen deutscher
und europäischer Universitäten die Clausthaler Sammlungen.
Ferner werden anderen Museen und Institutionen Mineralstufen
und Erze als Leihgaben für Sonderausstellungen und Forschungszwecke
zur Verfügung gestellt.
Die Abteilung Mineralogische Sammlungen ist in ihrer Präsentation
primär nicht auf die Ästhetik der Minerale ausgerichtet, wie
manche andere Ausstellungen, sondern nach Kriterien der wissenschaftlichen
Systematik und nach genetischen Aspekten. Dennoch ist der
öffentliche Teil nicht nur für Spezialisten und Sammler interessant,
sondern hat auch bei Touristen, Urlaubern, Schülern und Durchreisenden,
die sich an der Schönheit der Minerale erfreuen, eine hohe
Resonanz. Für viele Besucher ist ein Großteil der ausgestellten
Exponate nicht nur ein Abbild der mineralogisch-geologischen
Entwicklungsgeschichte der Region, sondern auch ein Beleg
für den wirtschaftlichen Aufstieg und Niedergang des Harzer
Bergbaus. Viele der ausgestellten Minerale, Erze und Gesteine
stammen aus längst erschöpften und aufgelassenen Gruben, deren
Zugang den Interessierten für immer verschlossen bleibt.
Erd- und Lebensgeschichte
Foto © Dr. Alfred K. Schuster
Zeichnung © Dr. Elke Gröning
Die Gliederung der Erdgeschichte beruht in erster Linie auf
der Entwicklung des Lebens. Deshalb widmet sich dieser Teil
der Ausstellung hauptsächlich den wichtigsten Abläufen der
Evolution, wie der Besiedlung des Festlandes durch Pflanzen,
Gliederfüßer und Wirbeltiere sowie der Eroberung des Luftraumes
durch Insekten, Vögel und Fledermäuse.
Derartige Fossilien sind im allgemeinen selten und lassen
sich nur an geeigneten Fundstellen, sogenannten Konservat-Lagerstätten,
bergen. Eingehender behandelt die Ausstellung die Fossil-Fundstellen
von Messel (Alt-Tertiär; vor ca. 45 Millionen Jahren), Solnhofen
(Ober-Jura; vor ca. 150 Millionen Jahren) und Hagen-Vorhalle
(Ober-Karbon; vor ca. 310 Millionen Jahren). Einmalig sind
die ausgestellten originalgetreuen Modelle der größten fossilen
Fluginsekten (Libellen und Urnetzflügler aus dem Karbon).
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Darstellung wichtiger, im
Harz und Harzvorland vorkommender Fossilgruppen (Ammoniten
und Trilobiten).
Naturgeschichte des Harzes
Die gesamte überlieferte Erdgeschichte im Harzgebiet umfaßt
einen Zeitraum von rund 480 Millionen Jahren. Wesentliche
Ereignisse waren u. a. das Aufdringen des Harzburger Gabbros
und des Brockengranits, die Bildung der hydrothermalen Erzlagerstätten,
die tektonische Aufschiebung des Harzes auf sein nördliches
Vorland, bei dem ein großer Teil der Schichtfolgen des Erdmittelalters
steil gestellt und überkippt wurde, was besonders gut am Langenberg
bei Oker zu sehen ist.
Ein weiterer Schwerpunkt in der Sammlung sind die paläobotanischen
Belege des jüngsten Abschnitts der Tertiär-Zeit, gefunden
bei Willershausen am südwestlichen Harzrand. Aufgrund dieser
fossilen Pflanzen konnte die Vegetationsgeschichte der letzten
rund drei Millionen Jahre im Vorharz rekonstruiert werden.
Einen Einblick in die jüngste geologische Entwicklung des
Harzes geben die bildlichen Darstellungen der Eiszeit im norddeutschen
Raum. Als die polaren Gletscher weit nach Süden bis zum nördlichen
Harzrand reichten und vom Brocken einige kleine Gletscher
zu Tal flossen, ging die Vegetation drastisch zurück. Erst
mit dem Abschmelzen der letzten Eisfelder in Norddeutschland
eroberte die heutige Pflanzenwelt den Harz und sein Vorland
Schritt für Schritt zurück. Das heutige Bild der Harzvegetation
und das des Vorlandes ist vor allem vom menschlichen Einfluß
geprägt. Heute sind hier nur noch wenige Eiszeit-Relikte zu
finden, z. B. die Zwergbirke, die in streng geschützten Gebieten
als Teile einer relativ unbeeinflußten Pflanzendecke erhalten
ist und den Bogen von einst zu jetzt schlägt.
C. Brauckmann, Elke Gröning,
K. Mengel, A. K. Schuster, K. W. Strauß
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