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Samsonit

Samsonit
Foto © Dr. Alfred K. Schuster
Samsonit

Name:  Samsonit
Größe:  9 mm lang; Durchmesser ca. 2 mm; LB 16 mm
Fundort:  Grube Samson, Sankt Andreasberg, Harz, D.
Sammlung:  Geosammlung TU Clausthal
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Eigenschaften

Chem. Zusammensetzung:  Ag4MnSb2S6
Systematik:  IId
Kristallsystem:  Monoklin
Härte:  2
Dichte:  5,51
Farbe:  Stahlgrau bis schwarz. In dünnen Splittern transparent tiefrot bis braun
Glanz:  Metallisch
Strich:  Tiefrot

Beschreibung

Bei einer Befahrung der Grube Samson, Sankt Andreasberg, Harz, wurde dem königlichen Berginspektor H. Werner im Sommer 1908 in der Firste der 29. Strecke auf dem Samsoner Gang, in einer Teufe von ca. 550 m und etwas mehr als 300 m vom Schacht entfernt, eine ungewöhnliche Ausbildung des Erzganges gezeigt. In einer Höhe von 20 - 30 m über der Strecke war die Erzzone auf einer Länge von 40 m tektonisch ausgedünnt, verdrückt, wie die Bergleute sagten. Als Gangart standen Quarz, Calcit, Anhydrit und Gips an, die von Galenitschuppen und -flitter durchsetzt waren. Zwei Meter über dem Gips war eine ausgelängte Antimonit - Linse, ca. 20 x 1 cm groß, im massig anstehenden Kalkspat eingeschlossen. Einige Meter weiter östlich ist eine Druse geöffnet worden, in der rund 60 stahlgraue bis stahlschwarze, monoklin - prismatische, bis 3 cm lange Kristalle auf zerhacktem Quarz aufgewachsen waren und in die Freiräume ragten. Neben diesen kamen noch Pyrargyrit (dunkles Rotgültigerz), nicht näher bestimmte Silberkiese und Fahlerze, Galenit (Bleiglanz), Löllingit, Chalkopyrit (Kupferkies), gediegenes Silber, Apophyllit, Quarz und vermutlich Cubanit vor. Werner hielt diese schwärzlichen, in dünnen Plättchen tiefrot bis braun durchscheinenden Prismen für Miargyrit. Einige davon waren strahlenförmig in kleinen Gruppen angeordnet. Fünf Meter darüber eine zweite, kleinere Druse, aus der weitere 20 der erwähnten schwarzen Kristalle geborgen wurden. Auffallend war, dass einige dieser unbekannten Kristalle in einem erbsengroßen Pyrolusit, einem Manganoxid, aufgewachsen waren.

Die Professoren Bergeat und Kolbeck, die an den Bergakademien in Clausthal bzw. Freiberg / Sa. Mineralogie lehrten, machten Werner darauf aufmerksam, dass sein Neufund aus der Grube Samson ein bisher nicht bekanntes Mineral sein könnte. Daraufhin überließ Werner dem Analytiker Dr. Fraatz in Clausthal 0,5 g der Probe, der diese chemisch untersuchte. Da neben Silber, Antimon und Schwefel auch 5,86 Gew. % Mangan bestimmt wurden, war klar, dass es sich bei diesem Fund um ein neues Mineral handelt, dem H. Werner, zusammen mit Dr. Fraatz in einer 1910 veröffentlichten Arbeit, den Namen Samsonit, in Anlehnung an die Fundstelle, gaben. Die Kristalle der großen Druse waren nur selten mit Endflächen versehen. Hingegen besaßen die kleineren, aus der oberen Druse stammenden Formen, fast durchgehend auch ideal ausgebildete Endflächen. Am häufigsten waren büschelige Gruppen von flach prismatischen bis tafeligen Kristallen. Lange Zeit galt Sankt Andreasberg als der einzige Fundort von Samsonit, und, da nur rund 80 kleine Stufen geborgen wurden, wurde und wird Samsonit auf dem Sammlermarkt zu horrenden Preisen gehandelt. Allgemein jedoch wird angenommen, dass Samsonit häufiger vorgelegen haben könnte, jedoch wegen der starken Ähnlichkeit mit Miargyrit oft nicht erkannt wurde. Wilke (1952) schließt nicht aus, dass die von Hausmann 1804 und Zimmermann 1834 beschriebenen kleinen nadeligen Kristalle auf Rotgültigerz, dem Federerz ähnliche fahle Rotgültig, ebenfalls Samsonit war.

Bekannte Fundorte

Da Samsonit auch polarisationsmikroskopisch leicht zu übersehen ist und bisher nur einmal von Paul Ramdohr in einer Stufe vom Brady Lake Property (Silver Miller Mine) bei Cobalt im Bundestaat Ontario, Kanada, identifiziert wurde. (Zitiert von R. J. Traill im Catalog of Cana­dian Minerals von 1970; dazu siehe T. Meyer, 1990).

Literaturhinweise

Bruhns, W. (1911).
Kristallformen des Samsonits von St. Andreasberg. J. Ber. Niedersächs. Geol. Ver. , IV, S. 103 - 104, Hannover
Gebhard, G. (1977).
Kostbare Mineralien; Samsonit. Lapis 2, H. 9, S. 18 - 19.
Kolbeck, F., Goldschmidt, V. (1912).
Über Samsonit von Andreasberg. Ztschr. f. Kristallogr. Vol. 50, S. 455 - 458.
Meyer, T. (1990)
Das berühmte St. Andreasberger Mineral. Glückauf Nr. 8
Slavik, F. (1911).
Morphologie des Samsonits. Bull. Intern. Acad, Sci. Boheme, XVI, S. 1 - 10.
Wilke, A, (1952).
Die Erzgänge von St. Andreasberg im Rahmen des Mittelharz - Ganggebietes. Beih. Geol. Jahrb., 7. Hannover
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