GeoMuseum
TU Clausthal
GeoMuseum
 
GeoMuseum > Geologie > Paläontologie > Tiere > Wirbellose Tiere > Trilobite

Trilobite

Trilobit Paracryphaeus latus;  Ordnung Phacopida
Foto © L. Koch
Trilobit Paracryphaeus latus;  Ordnung Phacopida

Trilobit Cyphaspis sp.;  Ordnung Proetida

Trilobit Dechenella burmeisteri;  Ordnung Proetida

Trilobit Trimerocephalus mastophthalmus; Ordnung Phacopida.

Vorblättern
Name:  Trilobit Paracryphaeus latus; Ordnung Phacopida
Größe:  ca. 30 mm
Fundort:  Raum Plettenberg, NRW, D.
Alter: 

Unter-Devon / Unter-Gedinnium / Hüinghausen-Schichten, ca. 412 Mio. Jahre.

Sammlung:  Privat, U. Lemke, Wetter
mehr Info:  ausblenden
Vorblättern

Trilobiten - Leitfossilien des Erdaltertums

Vollständige und gut erhaltene Trilobiten, auch Ur-Krebse genannt, sind selten zu finden, und dennoch gehören sie zu den bekanntesten Fossilien. Der Name ist aus dem Alt­griechischen abgeleitet, bedeutet Dreilapper und bezieht sich auf die Dreiteilung ihres Körpers, sowohl in der Längs- als auch in der Querrichtung.

Trilobiten gehören wie Insekten, Spinnen- und Krebstiere zu den Gliederfüßern und haben, wie die meisten Angehörigen dieser weitaus artenreichsten Tiergruppe, zum Schutz ihres Weichkörpers eine überziehende Chitinhülle, die durch Einlagerung von Mineralien an der Oberseite und einem kleinen Teil der Unterseite ihres Körpers zusätzlich verstärkt war. Der größte Teil der Bauchseite und die Beine waren jedoch nicht geschützt. Dieser Panzer schützte die Tiere wie eine mittelalterliche Rüstung die Ritter und ihm verdanken wir, dass Trilobiten bis heute in unterschiedlichen Gesteinsschichten des Paläozoikums in gut erhaltenem Zustand zu finden sind.

Vollständige Formen sind leicht an ihrer auffälligen Längs- und Quergliederung zu erkennen (Abb. / links). Von vorn nach hinten sind sie in Kopfschild, Rumpf und Schwanzschild ge­gliedert, und in Längsrichtung in eine meist stärker gewölbte Mittelachse, auch Spindel ge­nannt, und in zwei flachere Seitenfelder.

Kopfschild, Rumpf und Schwanzschild setzen sich jeweils aus mehreren Segmenten zusammen, die an Kopf und Schwanz zu einem einheitlichen Schild fest verschmolzen sind. Die Mittelachse des Kopfschilds ist die Glabella, die durch zwei Gesichtsnähte von den Seitenfeldern, den Wangen, getrennt ist. Die einzelnen Segmente des mittleren Körperteils sind gelenkig zueinander, was den Tieren erlaubte, sich bei Gefahr einzurollen, ihre Unterseite zu schützen, ähnlich, wie es die heute lebenden Asseln tun. Die Dreiergliederung ist auch am Schwanzschild durch die sogenannten Spindelringe und Seitenrippen meist deutlich zu erkennen.

Die Augen sind Insektenaugen ähnlich und sitzen zwischen Glabella und Wangen auf den sogenannten Freiwangen. Sie unterscheiden sich von den aus Chitin bestehenden Augen der heutigen Insekten dadurch, dass die einzelnen Linsen aus jeweils einem Kalkspatkristall (Calcit) bestanden. Versuche ergaben, dass die visuelle Wahrnehmung durch zu Augen gebündelten Kalkspatkristallen bedeutend besser war als das Sehen mit Chitin-Linsen. Die Größe der Facetten-Augen und die Anzahl der Einzellinsen war von der Lebensweise und dem Lebensraum der jeweiligen Art abhängig.

Die meisten fossilen Trilobitenreste sind Einzelteile der Panzer, die - wie bei fast allen Gliederfüßern - mit dem Weichkörper nicht mitgewachsen sind. Von Zeit zu Zeit wurde er zu eng, zerriß an den dafür bestimmten Trennungsnähten, löste sich vom Körper und wurde abgeworfen. Ein neuer Panzer wuchs nach und schützte den Körper bis zur nächsten Häutung, was mehrmals im Leben geschah.

Unter dem Kopfschild, unmittelbar hinter dem Vordersaum, befanden sich zwei Fühler, vier Paar Mundfüße, die noch nicht zu Mundwerkzeugen entwickelt waren, und der Mundschild. Diese Teile sind schlecht erhalten und selten zu finden, werden auch oft übersehen oder nicht als fossile Trilobitenteile erkannt.

Obwohl Beine, Antennen und Weichteile außerordentlich selten überliefert sind, gelang es Paläontologen, Erkenntnisse über den ganzen Körper zu gewinnen, vor allem an Stücken aus dem Unter-Devon von Bundenbach im Hunsrück, und seit Röntgenuntersuchungen auch in der Paläontologie eingesetzt werden.

Die Größe der ausgewachsenen Tiere schwankt von Art zu Art stark. Die meisten ausge­wachsenen Arten waren drei bis acht Zentimeter lang, doch gibt es auch besonders kleinwüchsige, von nur 0,5 cm Körperlänge, sowie Riesenformen mit Längen bis etwa 75 cm.

Trilobiten sind nur aus dem Erdaltertum, aus einer Zeitspanne von knapp 300 Millionen Jahren, bekannt. Die frühesten Formen erschienen zu Beginn des Kambriums vor rund 540 Millionen Jahren, während die letzten ihrer Art vor etwa 250 Millionen Jahren, gegen Ende der Perm-Zeit, ausstarben. In dieser langen Zeit hat die Natur eine ungeheure Formenfülle vom Trilobiten hervorgebracht. Die Zahl der bisher beschriebenen Arten liegt bei weit über 10.000. Ihre bedeutendste Blütezeit hatten sie schon sehr früh, im jüngeren Kambrium und eine zweite im älteren Ordovizium. Danach ging der Artenreichtum deutlich zurück. Im Devon kam es zu einem weiteren, jedoch wesentlich schwächeren Höhepunkt ihrer Entwicklung, dem zu Beginn der Karbon-Zeit ein drastischer Rückgang folgte, was ein fast völliges Aussterben der ganzen Tiergruppe zur Folge hatte. Ein paar wenigen Formen gelang es, sich über diese Krise, deren Ursachen nicht bekannt sind, hinweg zu retten. An der Zeitengrenze Karbon / Perm ist nochmals ein Pik in der Entwicklung der Trilobiten erreicht worden, der wie ein Aufbäumen vor ihrem endgültigen Aussterben aussieht.

Trilobiten lebten ausschließlich im Meer und bevorzugten den flachen Schelfbereich der Ozeane. Es wird angenommen, dass die meisten Arten überwiegend am Meeresboden krabbelten und sich von Kleinstlebewesen, verrottenden Pflanzenresten und / oder kleineren Aasteilchen ernährten. Darauf deuten zahlreiche Funde von Weidespuren in bestimmten Gesteinsschichten hin, deren Verursacher Trilobiten sein sollen.

In gut durchlichteten, flachen Meeresbereich lebten vorherrschend großäugige Arten, während die Bewohner tieferer, nur schwach erhellter Lebensräume ganz allgemein kleinere Augen hatten. Völlig zurückgebildet waren die Augen jener Arten, die im Schlamm wühlten oder sich in größeren, völlig finsteren Meerestiefen aufhielten.

Zur Bestimmung von Trilobiten werden gewöhnlich nur Kopf- und Schwanzschild herangezogen und in Rekonstruktionszeichnungen dargestellt. Der Rumpf wird gewöhnlich weggelassen, weil er nur selten bedeutende Bestimmungsmerkmale zeigt. (Link zu Zeichnungen / Link zu Trilobiten im Harz)

C. Braukmann, E. Gröning, A. K. Schuster, T. Wappler

Zum Seitenanfang
© TU Clausthal 2002 | Impressum